29.09.2021
TEXT: Vera WagnerFOTOS: Chantal Vuillemin, Nicolet Perriard, Vera Wagner
Vorurteile im Bewerbungsprozess

Wie würden Sie urteilen?

Äusserlichkeiten verführen dazu, voreilig über eine unbekannte Person zu urteilen und ihr bestimmte Charaktereigenschaften, Vorlieben und Fähigkeiten zuzuordnen. Machen Sie den Test, ob Sie mit Ihrer Einschätzung richtig liegen – oder in die Schubladenfalle tappen. 

Das menschliche Gehirn nutzt Mechanismen, um fremde Personen schnell einordnen zu können. Wir greifen zurück auf Stereotype, also Muster und klischeehafte Bilder, anhand deren wir zu einem ersten Urteil und einer Bewertung unseres Gegenübers kommen. Wir lassen uns allzu gerne von der Überzeugung leiten, dass gewisse Eigenschaften in einem bestimmten Verhalten resultieren: Wer übergewichtig ist, den halten wir womöglich für faul, Brillenträger wiederum gelten als belesen.

Warum aber stecken wir andere Leute in eine Schublade, ordnen sie in Kategorien ein? Gabriela Mittelholzer, erfahrene HR-Fachfrau und FAU-Coach, meint dazu: «Schlussendlich machen wir das, weil es uns ein Gefühl von Sicherheit gibt, da es uns hilft, die komplexe Welt durch das vereinfachende Bild zu verstehen. Unvorstellbar also, dass dieser Skater von vorhin am kommenden Montagmorgen ein schicker Bankangestellter im Anzug sein wird oder dass sich die elegante Blondine von gestern Abend in ihrem Arbeitsalltag in eine seriöse Berufsoffizierin verwandelt.»

Vorurteile können schlimme Folgen haben
Gabriela Mittelholzer meint, es sei deshalb wichtig, an solchen Vorurteilen nicht starr festzuhalten, sondern sich aktiv mit ihnen auseinanderzusetzen. Indem wir unsere gefärbte Brille ablegen und Unbekanntem offen begegnen, beeinflussen wir bewusst unsere Entscheidungen und unser Verhalten gegenüber anderen. So lassen wir uns nicht von einem zähen Bild beirren und können erkennen, dass das Gegenüber womöglich eine ganz andere Person ist als zunächst angenommen. Wenn solche Vorurteile hingegen nicht hinterfragt würden, könne das tiefgreifende Folgen haben, schlimmstenfalls führten sie gar zu Diskriminierung oder Rassismus, so Gabriela Mittelholzer.

Im arbeitsalltäglichen Kontext ist der Prozess des Einordnens gerade für Recruiter und Personaler besonders wichtig. Dabei allfällige Vorurteile auszuschalten, zeichne die Professionalität einer HR-Fachperson aus, so Gabriela Mittelholzer. Denn nicht nur der Lebenslauf, sondern das gesamte Auftreten eines Bewerbers werde letztlich bewertet, positiv wie aber auch negativ. 

Machen Sie den Test
Untenstehend können Sie bestimmte Vorlieben wie Lieblingslektüre und bevorzugte Feriendestination oder berufliche Aspekte wie Arbeitsort oder Tätigkeit jeweils einer von vier Personen zuordnen. Erraten Sie, zu wem was gehört?

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Zeitschrift «blickwinkel», deren Herbstausgabe 2021 sich dem Thema Kommunikation im Bewerbungsprozess widmet.

Die Zeitschrift «blickwinkel» erscheint jeweils im Mai und November. Jede Ausgabe konzentriert sich auf ein facettenreiches Thema und beleuchtet es aus unterschiedlichsten Perspektiven.

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