21.10.2020
FOTO UND TEXT: Malini Gloor
Zueri Vegan Vegane Gesellschaft Schweiz Sarah Moser Malini Gloor

Sarah Moser vom Verein «Vegane Gesellschaft Schweiz» ist in der Gruppe «Züri Vegan» aktiv und hält die Augen offen für Neues.

«Züri Vegan» und «Vegane Gesellschaft»

«Ich war nie ein Fleischtiger»

Vegan zu essen oder komplett vegan zu leben, ist seit einigen Jahren nicht mehr nur ein Trend. Die tierfreundliche Lebensweise verbreitet sich zunehmend weltweit – ein Glück für Nutztiere. Doch wo sind Informationen zur veganen Lebensweise zu finden?

Sarah Moser, 30, aufgestellt und kommunikativ, engagiert sich bei der Gruppe «Züri Vegan», weil sie von der veganen Lebensweise überzeugt ist. Die vegane Szene in der Schweiz ist aktiv. So bestehen schweizweit lose Gruppierungen, die sich regelmässig treffen und Anlässe organisieren. So auch die Gruppe «Züri Vegan», die von Mitgliedern des Vereins «Vegane Gesellschaft Schweiz», kurz VGS, gegründet wurde. Die VGS, 2011 von Raphael Neuburger ins Leben gerufen, zählt mittlerweile über 1500 Vereinsmitglieder.

Ein veganes Frühstück bietet viel Auswahl.Vegane Lebensweise verbreiten
Sarah Moser setzt sich gerne ein: «Ich bin seit einem Jahr im Freiwilligenteam von ‹Züri Vegan›, weil ich die vegane Lebensweise nicht nur unterstützen, sondern auch verbreiten möchte.» Alle können an den Anlässen der Gruppe teilnehmen. «Ob vegan lebend oder nicht, unsere ‹Züri Vegan›-Dinner, die rund einmal pro Monat stattfinden, sind für alle offen. Vegan zu leben, ist keine Voraussetzung für die Teilnahme an den vielfältigen Aktivitäten», betont die junge Aargauerin.

Sie selbst lebt seit vier Jahren vegan: «Schuld – natürlich im positiven Sinne – ist eine gute Freundin aus Hamburg, die vegan lebt. Ich wohnte ein Jahr lang dort und kochte oft mit ihr zusammen. So kam ich ganz selbstverständlich mit der veganen Lebensweise in Kontakt. Auch auf Käse, den viele Veganerinnen und Veganer vermissen, kann ich problemlos verzichten. Den in Deutschland erhältlichen Käse mochte ich sowieso nicht besonders. So habe ich dies nach einem Jahr in Hamburg auch überhaupt nicht mehr vermisst.»

«Ich war nie ein Fleischtiger»
Als Tochter einer Vegetarierin war Sarah Moser schon immer gewohnt, Fleisch, wenn überhaupt, nur auswärts zu essen: «Ich war nie ein Fleischtiger. Im Sommer 2016 hatte ich Fleisch plötzlich nicht mehr gern. Ich setzte mich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und entschied mich, Veganerin zu werden.»

In nur drei Monaten stellte die junge Frau ihre Ernährung auf komplett tierfrei um: «Von vegetarisch auf vegan umzustellen, war für mich nur konsequent und kein grosser Schritt. Eier habe ich sowieso selten gegessen, weil ich mich davor irgendwie ekelte, und Honig war für mich auch nie zwingend. Ich vermisse wirklich gar nichts, ganz im Gegenteil: Meine Ernährung und meine ganze Lebensweise sind im Vergleich zu vorher deutlich vielfältiger und somit auch genussvoller geworden. Ich achte bei allem, was ich kaufe, darauf, dass es vegan ist, also nicht nur beim Essen.»

 

Über 5000 Follower auf Instagram
Wenngleich die Aktivitäten der «Veganen Gesellschaft» vor allem in und um Zürich stattfinden – schlicht, weil hier in Bezug auf Veganismus am meisten läuft –, haben sich schweizweit lose Gruppen gebildet, die regional aktiv sind.

«Die Gruppe ‹Basel Vegan› etwa wurde noch vor ‹Züri Vegan› gegründet. Unsere Züri-Gruppe gibt es seit 2016, mittlerweile haben wir auf Instagram über 5000 Follower», freut sich Sarah Moser.

«Züri Vegan» setzt beim Austausch mit Interessierten auf die Kanäle Website, Facebook und Instagram. Sarah Moser dazu: «Der Schwerpunkt liegt bei Instagram. Dort posten wir regelmässig Fotos von veganen Gerichten aus Zürcher Restaurants. Die Bilder sollen gluschtig auf veganes Essen machen.»

«Züri Vegan-Dinner in wechselnden Restaurants
Für die monatlich stattfindenden Dinner wählt die Gruppe absichtlich keine rein veganen Restaurants: «In Zürich gibt es rund 2000 Restaurants und Lokale. Wir wählen meist ein Restaurant, das offen für veganes Essen ist und oftmals extra für uns etwas Veganes kocht. Meist sind dafür nur kleine Rezeptänderungen nötig. Da wir im Anschluss gleich ehrliche Rückmeldungen geben, können sich die Restaurants verbessern. Im besten Fall nehmen sie das Gericht fest in ihre Menükarte auf und lassen sich für weitere vegane Gerichte begeistern.»

Starthilfe für Neulinge
Auf der Website www.zueri-vegan.ch gibt es verschiedene Auflistungen. Nicht nur die Liste der veganen Restaurants und Lokale wird regelmässig aktualisiert, sondern auch Informationen zum veganen Leben ganz allgemein: etwa wo vegane Kleidung verkauft wird, wo man sich mit veganen Farben tätowieren lassen kann oder wo vegane Naturkosmetik erhältlich ist. «Natürlich sind wir auf Tipps von Interessierten angewiesen, und so entgeht uns kaum, wo etwas neues Veganes erhältlich ist», so Sarah Moser.

Da in der Gruppe «Züri Vegan» kein Geld fliesst, besteht auch keine Verpflichtung, irgendwelche Restaurants oder Produkte über den grünen Klee zu loben. «Wir sagen unsere ehrliche Meinung, wenn uns ein Produkt schmeckt. Aber auch, wenn wir es nicht gut finden», stellt Sarah Moser klar.

Wer in den sozialen Medien nichts verpassen will, abonniert am besten den monatlich erscheinenden Newsletter von «Züri Vegan», der auch Anlässe von anderen veganen Organisationen miteinbezieht, da dem Tierwohl zuliebe alle am gleichen Strang ziehen.

Buntes, veganes Gemüsegratin mit vielen Gemüsesorten.
Buntes, veganes Gemüsegratin mit vielen Gemüsesorten.

Vegane Gesellschaft Schweiz (VGS)
Der Verein wurde im Jahr 2011 gegründet und hat inzwischen mehr als 1500 Mitglieder, täglich kommen neue hinzu. Die Website www.vegan.ch bietet umfangreiche Informationen, die für ein veganes Leben nützlich sind.

Immer öfter nehmen zudem Firmen, die vegane Produkte auf den Markt bringen möchten, die Erfahrung der VGS in Anspruch: Könnte ein Produkt auf dem Markt gut ankommen? Was müsste an der Rezeptur verändert werden?

Mit den Mitgliedschaftsbeiträgen und Spenden werden die Angestellten des Vereins bezahlt, zudem fliessen die Gelder in die Projekte zur Förderung der veganen Lebensweise.

Mittlerweile hat der Verein einige Teilzeitangestellte, darunter neu auch Sarah Moser, die in einem 50-Prozent-Pensum für Projekte zuständig ist. «Da es immer sehr viel zu tun gibt, sind wir aber auch immer froh um die Mithilfe von Freiwilligen. Ob für Social-Media-Aktivitäten oder Standaktionen, man kann jederzeit gerne auf uns zukommen», so die überzeugte Veganerin.

Weitere Informationen:
www.zueri-vegan.ch
www.vegan.ch

Orientalische Mezze in der veganen Variante.
Orientalische Mezze in der veganen Variante.

Was bedeutet vegan leben?
Vegan lebende Menschen nutzen keine tierischen Produkte, weder Fleisch noch Fisch, keine Eier, keinen Honig, keine tierische Gelatine sowie kein Echtleder und keinen Pelz. Auch die Verarbeitung von vegetarischem Essen mithilfe von tierischen Bestandteilen, zum Beispiel die Klärung von Essig mittels tierischer Gelatine, lehnen sie ab.