Veröffentlicht am 15.09.2014FOTO UND TEXT: Naomi Jones
Martina Kull bereitet das Lager für den Mittagsschlaf im Wald vor. Ein «Nuschi» für jedes Kind gehört dazu.

Blitzlicht: Kleinkinderzieherin

Martina Kull, 30, ist Kleinkinderzieherin in Bern. Jeden Tag und bei jedem Wetter geht sie zusammen mit der Teamleiterin, einer Lernenden und einem Zivildienstleistenden mit bis zu zwölf Zwerglein in den Wald, wo die Gruppe mindestens den halben Tag verbringt.

Haben Sie ein Morgenritual?
Ich brauche am Morgen genügend Zeit für mich. Ich esse mein Müesli und lese einen Teil der Zeitung. Den Rest lese ich im Zug. Mit einer App informiere ich mich über das Wetter des Tages. Das ist wichtig. Denn wenn ich Frühdienst habe, muss ich entscheiden, ob wir mit den Kindern den ganzen Tag draussen verbringen oder nur den Vormittag. In der Kita nehme ich die Kinder in Empfang und um neun Uhr spazieren wir alle zusammen in den Wald. Wir gehen das ganze Jahr über jeden Tag bei jedem Wetter. Martina Kull, Kleinkinderzieherin der Waldkita Bern.In unserem Waldsofa, einem aus Stöcken und Weiden geflochtenen Ring mit einer Bank, essen wir das Znüni und beginnen danach das «Kreisli» mit dem Waldkitalied. Bis hierhin ist jeder Tag mehr oder weniger gleich.

Was beinhaltet Ihr Job?
Zusammen mit dem Team betreue ich bis zu zwölf Kinder im Alter von eineinhalb bis sechs Jahren. Dabei versuchen wir auf die Bedürfnisse und Interessen jedes einzelnen Kindes einzugehen. Abwechselnd hat jemand vom Team Frühdienst. Diese Person macht den Tagesplan. Sie trägt die Hauptverantwortung. Auch mit dem Planen der Woche wechseln wir uns ab. Täglich führen wir mit den Eltern die sogenannten Tür- und Angelgespräche. Wir erzählen, wie es dem Kind gegangen ist und was wir gemacht haben. Einmal im Jahr führen wir ein Standortgespräch mit den Eltern. Ausserdem organisieren wir zahlreiche Anlässe ausserhalb der normalen Öffnungszeiten: die Walpurgisnacht, die Erzählnacht, die Waldnacht, den «Räbeliechtliumzug». Zu unsern Aufgaben gehört aber ebenso das Putzen und Aufräumen. Einmal in der Woche kochen wir selbst auf dem Feuer. An den andern Tagen erhalten wir das Essen vom Koch der Kita Murifeld.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie Ihre Arbeit gerne machen?
Gute Kleider und ein motiviertes Team. Das heisst aber nicht, dass alle immer nur gute Laune haben müssen. Jeder hat mal einen schlechten Tag. Ebenfalls sehr wichtig ist, dass die Eltern und Vorgesetzten unsere Arbeit schätzen.

Wie wichtig ist Ihnen der private Ausgleich?
Ich arbeite 80 Prozent. Das ist echte Lebensqualität. In meiner Freizeit bin ich viel draussen, treffe Freunde und Familie und verbringe viel Zeit mit meinen Nichten und Neffen. Obwohl ich mit Kindern arbeite, ist das Zusammensein mit den Kindern meiner Schwestern anders.

Haben Sie einen Tipp für gute Laune bei der Arbeit?
Ich habe grundsätzlich ein heiteres Wesen. Nichtsdestotrotz kenne auch ich schlechte Laune. Aber dann kommen die Kinder und hüpfen beim grössten «Hudelwetter» voller Freude in die Pfütze oder zeigen mir stolz eine Schnecke. Dann ist das Leben wieder gut. Insofern bin ich privilegiert. Allgemein aber hilft es, die Sinne zu öffnen: zu schauen, hören und riechen, sich an kleinen Dingen zu freuen. Kurz, «Be open-minded».

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