Veröffentlicht am 02.07.2008TEXT:

Ingenieurmangel in der Schweiz

io. Noch nie war der Mangel an Ingenieuren so akut wie heute, obwohl die Schweizer Wirtschaft schon seit Jahren über fehlende Fachleute klagt. Zwar existieren bis anhin weder gesicherte Zahlen noch Schätzungen, doch das Fehlen von qualifiziertem Personal ist in den Unternehmen deutlich spürbar. Ende 2007 vermeldete beispielsweise die ABB, Einstellungsbedarf für Hunderte Ingenieurinnen und Ingenieure zu haben.

In der von Swiss Engineering, dem Berufsverband für Ingenieure und Architekten, herausgegebenen Salärbroschüre 2007/2008 bestätigen Ingenieure und Ingenieurinnen, dass sie den Arbeitskräftemangel in ihrer täglichen Arbeit konkret bemerken. Am häufigsten nennen sie Arbeitsüberlastung, ferner beobachten sie, dass ihre Firmen vermehrt Arbeitskräfte aus dem Ausland beschäftigen oder Aufträge häufiger an externe Firmen vergeben. Zudem führt der Ingenieurmangel aus Sicht der Befragten zu Qualitätseinbussen.

Auch über die Anzahl der praktizierenden Fachleute fehlen Angaben. Das Bundesamt für Statistik erfasst keine gesonderten Zahlen für erwerbstätige Ingenieure in der Schweiz. Swiss Engineering schätzt, dass in der Schweiz 40 000 bis 50 000 Ingenieure arbeiten.

Nur der Nachwuchs lässt sich genau beziffern. Im Jahr 2007 waren insgesamt 5111 Studierende der Ingenieurwissenschaften an der ETH Zürich eingeschrieben. Das sind über 1000 mehr als 1990. Dies entspricht zwar dem allgemeinen Wachstum der Studierendenzahlen der ETH in diesem Zeitraum. Dennoch gab es einen frappanten Rückgang gerade der Absolventen im Maschinenbau. 2007 schlossen 82 ab, im Jahr zuvor waren es noch 132. Auch in früheren Jahren variierten die Absolventenzahlen, wenn auch nicht in derart deutlichem Ausmass. Folglich bewirkt nicht der Rückgang an ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren den aktuellen Ingenieurmangel, sondern die stark gestiegene Nachfrage in der Wirtschaft.