Veröffentlicht am 16.07.2008TEXT: Rémy Limpach

Foto: Adrian Moser

Arbeitsplätze für Schüler

rl. Das Pilotprojekt LIFT erleichtert Oberstufenschülern und -schülerinnen den Einstieg in die Berufswelt und lässt sie Arbeitsluft bei regionalen Unternehmen schnuppern.

Schulschwache Jugendliche haben in der Schweiz häufig Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche und werden oft zu Fällen für die Fürsorge. Das Netzwerk für sozial verantwortliche Wirtschaft (NSW/RSE) beschloss vor rund vier Jahren, etwas dagegen zu unternehmen. «Ein Lehrer öffnete mir während eines Spaziergangs die Augen», erzählt der Initiant, Prof. Mario von Cranach. «Er sagte mir, dass er bereits lange im Voraus wisse, welche Schüler bei der Lehrstellensuche in Schwierigkeiten geraten.» Daraufhin setzte das NSW ein Projektteam ein, welches das Pilotprojekt LIFT (Leistungsfähig durch individuelle Förderung und praktische Tätigkeit) entwickelte.

Hauptziel von LIFT ist die signifikante Erhöhung der Chancen für so genannt potenziell gefährdete Realschüler, nach der obligatorischen Schulzeit einen Platz in der Arbeitswelt zu finden. Das Projekt ist auf drei Jahre (2007 bis 2009) ausgelegt. Seine wichtigsten Merkmale sind Erfassung der betroffenen Schüler schon in der 7. Klasse, Förderung der Sozial- und Selbstkompetenz in zusätzlichen Kursen und das Vermitteln von Erfahrungen in der Arbeitswelt. Im Zentrum des Projekts stehen Wochenplätze für Schüler und Schülerinnen der 7. bis 9. Klasse in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die schweizweit rund 80 involvierten Jugendlichen arbeiten über einen längeren Zeitraum jeweils 3 bis 4 Stunden wöchentlich. Etwa hundert Betriebe in ihrer Region sind im Projekt involviert. Für ihre Arbeit erhalten die Schüler einen kleinen Lohn, was aber nicht das Hauptmotiv zur Teilnahme bilden soll. Die Teilnahme am Versuch ist freiwillig. Die Schüler bekommen nach Ende eines erfolgreichen Praktikums ein Attest, welches ihre Leistungen auszeichnet und später die Lehrstellensuche erleichtern soll. Die vier Schulen Schwabgut (Bern West), Morillon (Wabern/Köniz BE), Halden (Glattbrugg ZH) und Bruggwiesen (Brüttisellen ZH) setzen das neuartige Projekt zusammen mit regional ansässigen KMU um.

Früher Austausch zwischen Schule und Wirtschaft klappt

Das Projekt LIFT läuft nach Meinung der Verantwortlichen «nach Plan und eigentlich noch besser als erwartet.» Das Konzept der Zusammenarbeit und des frühen Austausches zwischen Schule und Wirtschaft hat sich bewährt und andernorts herumgesprochen; weitere Stellen wollen das Modell übernehmen. In Biel adaptierten im Frühjahr dieses Jahres drei französischsprachige Schulen das Wochenplatzkonzept (unter dem Namen «job»), nachdem LIFT als Pilotprojekt ursprünglich nur in den Agglomerationen Bern und Zürich vorgesehen war.

Realisiert wird LIFT von den Lehrstellen und Institutionen vor Ort, das NSW übernimmt eine Hilfestellung sowie die Koordination. Die finanzielle Unterstützung gewährleistet zu einem grossen Teil das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), ferner diverse Kirchen und Stiftungen. Die Umsetzung des anspruchsvollen Projekts erfolgt durch ein interdisziplinäres Team von in der Jugendarbeit erfahrenen Fachpersonen. Die wissenschaftliche Begleitung hat das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung übernommen. Auch die Eltern der Jugendlichen sind durch Gespräche, Briefe und Infoabende eingebunden.

Auswertung über Nutzen bei der Lehrstellensuche geplant

«Die Resonanz auf LIFT ist gut», bestätigt die Schulleiterin des involvierten Schulhauses Morillon in Wabern, Christine Hostettler. Rund zwanzig Realschüler aus zwei Klassen nehmen am Wochenplatz-Projekt teil. Für konkrete Aussagen über den Nutzen ist es wegen der erst relativ kurzen Laufdauer noch zu früh. «Aber ich denke schon, dass es bei der Lehrstellensuche hilft», sagt Hostettler. Im September soll schulintern eine Auswertung durchgeführt werden. Die Zukunft von LIFT im Schulhaus Morillon in Wabern über das Jahr 2009 hinaus ist noch offen. Die Schulleitung wünscht sich eine Fortsetzung, sofern das Projekt finanziert werden kann. «Wichtig ist eine gute Begleitung der Schüler, und die ist momentan durch die LIFT-Mitarbeiter gegeben.»

Für die Zukunft erhofft sich auch die Projektleitung eine Weiterführung von LIFT über das Jahr 2009 hinaus; das müsste aber von den Behörden, Schulen und Institutionen vor Ort realisiert werden. Das NSW könnte sich dann wieder neuen Zielsetzungen zuwenden. Bisher erscheint der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft in der Schweiz noch verbesserungsbedürftig: «Dieser Kontakt muss enger werden, bis jetzt sind Schule und Wirtschaft leider zwei getrennte Welten. Die entsprechenden Stellen sollten sich regelmässig austauschen und treffen, so wie das beispielsweise in Köniz im Halbjahrestakt gemacht wird.»

Text: Rémy Limpach