08.11.2017
Web-Vokabular 4.0

Digitaler Wort-Dschungel

Begriffe wie «Blogger» oder «Influencer» gehören längst zum gängigen Online-Wortschatz. Mit dem digitalen Wandel wächst das Web-Vokabular ständig weiter. Dabei geht gerade in den immer präsenteren «Social Media» der Überblick verloren. Dieses Glossar soll eine erste Abhilfe schaffen.

Die rasante Entwicklung der Digitalisierung bringt in vielerlei Hinsicht Neues hervor: neue Formen der Arbeitsgestaltung, neue Berufe und Berufsbezeichnungen. Begriffe und Wortkombinationen schiessen wie virtuelle Pilze aus dem Internet – meist als Anglizismen. Wer der englischen Sprache mächtig ist, hat sicher einen kleinen Vorsprung. Viele Wortkreationen haben wir schon häufig gelesen und glauben, sie im Kontext zu verstehen. Aber wissen wir auch, was sie bedeuten?

Das Web-Vokabular ist noch lange nicht in Stein gemeisselt. Für viele Neuwörter existiert noch keine offizielle Definition, verständlich sind sie deshalb mehrheitlich nur in einem bestimmten Kontext. Einige Online-Lexika wie Wikipedia sind schon weit voraus, andere widersprechen sich gegenseitig und sind sich vor allem in der Schreibweise nicht einig. Gestandene Online-Wörterbücher wie Duden kommen fast nicht nach. Die Medien, Blogger und Influencer schreiben vieles vor. Und so wächst das Web-Vokabular in schwindelerregender Geschwindigkeit weiter und weiter.

 

Arbeit 4.0

Der Begriff Arbeit 4.0 steht für digitales, vernetztes und flexibles Arbeiten und knüpft an die Diskussion über die vierte industrielle Revolution an (siehe Industrie 4.0 im Glossar). Wie die Arbeitswelt 4.0 künftig genau aussehen wird, liegt dem Veränderungsprozess der gesamten Arbeitswelt im digitalen Zeitalter zugrunde und ist noch unklar.

 

Blended Learning

Blended Learning (aus dem englischen «to blend») bezeichnet eine Mischung aus klassischen und neuen Lernmethoden – eine Kombination aus physischer Unterrichtspräsenz mit verschiedenen Medien und E-Learning, dem Selbststudium mit elektronischen Hilfsmitteln, wobei die positiven Aspekte der beiden Lernformen zum Tragen kommen. 

 

Clickworker / Crowdworker

Clickworker gelten als Pseudoselbständige, die meist freiberuflich und nebenbei kleinere Aufträge, wie zum Beispiel Datenrecherche, verrichten. Die Aufträge werden dabei online, über sogenannte Crowdsourcing-Plattformen abgewickelt. Der Ursprung dieses Begriffs liegt bei der NASA, die im Jahr 2000 Clickworker beauftragte, in bestehenden Marsfotografien die sichtbaren Krater auf der Marsoberfläche per Mausklick zu markieren.

 

Cloudworker 

Bei diesem Konzept bieten Selbständige einerseits ihre Dienste auf Onlineportalen an und können sich anderseits selbst für Projekte bewerben, die Unternehmen «gepostet» haben. Umgekehrt können Unternehmen nach den gewünschten Kompetenzen der Anbieter suchen und diese über das Portal direkt kontaktieren.

 

Co-Working Space 

Co-Working Spaces sind offene, meist grosszügig angelegte Arbeitsräume, die Freischaffenden samt Infrastruktur zeitlich flexibel zur Verfügung stehen und ihnen den kreativen Austausch von Know-how ermöglichen. Oft bilden sich daraus fachliche Synergien, Netzwerke und Communities. Weltweit hat sich diese Idee schon etabliert. In der Schweiz entstehen immer mehr solcher Co-Working Spaces, wie zum Beispiel das Impact Hub, Citizen-Space oder Office LAB in Zürich. 

 

Crowdworking / Crowdworker

Beim Crowdworking werden Aufträge oft kurzfristig über digitale Plattformen an die Crowd – eine anonyme Masse von freiberuflichen qualifizierten Arbeitskräften, sogenannte Crowdworker – vergeben. Unternehmen engagieren dafür sowohl eigene Beschäftigte als auch Dritte, interne oder externe Crowdworker. 

 

Crowdsourcing

Bei diesem Geschäftsmodell werden grössere Aufträge ausgelagert und an Internetgruppen vergeben, um sowohl Kosten und Ressourcen zu sparen wie auch das kollektive Wissen zu nutzen. Mehrsprachige Online-Lexika wie Wikipedia oder Wiktionary sind die bekanntesten Beispiele.

 

Cyberattacke / Cyberkrieg

Der vom englischen «Cybernetics» abgeleitete Begriff «Cyber» wird im Internet häufig als Präfix genutzt, um eine virtuelle Realität zu beschreiben. Eine Cyberattacke bezeichnet einen gezielten elektronischen Angriff, der von aussen über eine Netzwerkverbindung auf ein Rechennetz erfolgt und sich gegen einzelne Computer oder ganze IT-Systeme richtet. Ein Cyberkrieg wäre demnach eine kriegerische Auseinandersetzung im virtuellen Raum.

 

Datenbrille / Smart Glasses

So wird das Gerät genannt, das in Form einer Brille visuelle Daten augennah darstellt oder direkt auf die Netzhaut überträgt. Datenbrillen finden oft in Zusammenhang mit der erweiterten Realität, bekannter als «Augmented Reality», Verwendung.

 

Digital Detox

Der Begriff steht für den Gegentrend zur Digitalisierung. Dabei wird während einer bestimmten Zeitspanne auf die Verwendung von elektronischen Geräten verzichtet. Durch den bewussten Entzug der ständigen Vernetzung und Erreichbarkeit soll vermehrt mit der physischen Welt interagiert und dabei Stress reduziert werden.

 

Disruptive Geschäftsmodelle

Disruptive Geschäftsmodelle (aus dem englischen «to disrupt»: zerstören) verändern oder verdrängen im Zuge der Digitalisierung bestehende traditionelle Geschäftsmodelle, Produkte oder Dienstleistungen. Dabei werden physische, analoge Aktivitäten durch digitale Innovationen ersetzt und ins Internet verlagert. Ganze Branchen können demzufolge komplett umstrukturiert oder zerschlagen werden. Beispiele dafür sind Online-Shopping-, Lexika- sowie Film- und Musik-Streaming-Portale. 

 

Easy Economy

Die Easy Economy gründet auf neue, durch die Digitalisierung ermöglichte Arbeitsformen, wobei die physische Anwesenheit am Arbeitsplatz und die festen Arbeitszeiten an Bedeutung verloren haben und nicht mehr zwingend sind.

 

Filterblase

So wird die selektive, auf das Nutzerverhalten und den Nutzerstandort abgestimmte Informationsauswahl im Internet bezeichnet. Die Suchmaschine Google ist das bekannteste Beispiel.

 

Generation Y 

So wird die Bevölkerungsgruppe genannt, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurde. Die in diesem Zeitraum Geborenen sind auch als Millennials bekannt. Die Generation Y gilt als Nachfolgegeneration der Boomers, der bis 1965 Geborenen, und der Generation X, der bis 1980 Geborenen. Der Buchstabe Y wird im Englischen «why», wie «warum», ausgesprochen und verweist auf das für diese Generation typische Hinterfragen und ihren fehlenden Zugang zu Sinn und Zweck ihrer Arbeit. So soll dieser Generation die Work-Life-Balance wichtiger sein als älteren Generationen. 

 

Gig-Economy / Gig-Worker

In der Gig-Economy werden Dienstleistungen über Internet-Plattformen angeboten. Dabei werden einmalige Aufträge oder «Gigs» von sogenannten Gig-Workern verrichtet. Diese arbeiten unabhängig und selbständig auf Mandatsbasis und ohne Anspruch auf dauerhafte Anstellung. 

 

Industrie 4.0

Der Begriff kennzeichnet die digitalisierte Vernetzung von Produktionsprozessen, Mensch und Maschine. Die gegenwärtige Entwicklung ist bereits die vierte industrielle Revolution. Ihr gingen der Einsatz von Wasser- und Dampfkraft (1.0) voraus, die Umstellung auf Massenfertigung am Fliessband und mit Elektrizität (2.0), die weitgehende Automatisierung von Prozessen und der Einsatz von Informationstechnologien (3.0).

 

New Work

Aus der Idee, ein Gegenmodell zum Kapitalismus zu entwickeln, gründete der austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann in den 1980er-Jahren das Zentrum für neue Arbeit und trieb die Bewegung «New Work» voran. Der Begriff steht für ein neues Arbeitskonzept, das Freiräume für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit miteinschliesst. Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaften sind die zentralen Werte der neuen Arbeit.

 

On Demand

Der moderne Begriff steht für «auf Anforderung oder Abruf», aber auch «nach Bedarf» und hat sich längst als willkommene Dienstleistung etabliert. Video-, Books- oder Audio-on-Demand sind nur einige der bekannten Dienste, die Fernseh- oder Radiosender anbieten. Dabei kann der Nutzer Inhalt und Zeit des gewünschten Dienstes selbst bestimmen. 

 

Sharing Economy

Teilen statt besitzen liegt schon längst im Trend. Mieten und vermieten statt kaufen. Der Begriff steht für eine geteilte Nutzung von Ressourcen. Bekannteste Beispiele hierfür sind die Schweizer Carsharing-Plattformen Mobility oder Sharoo. 

 

Social Bot / Chatbot 

Social Bots sind Software-Roboter in sozialen Medien, die in der Lage sind, Inhalte wie Texte und Kommentare zu verfassen und zu teilen. Sie haben zudem natürliche sprachliche Fähigkeiten und können als Chatbots mit Usern kommunizieren.

 

Tutorial / Web-Tutorial 

Ein Tutorial ist eine Art Gebrauchsanleitung oder Einführung einer Software, die meist in Form eines filmischen Schnellkurses, schrittweise und anhand von Beispielen erklärt wird. Tutorials werden mehrheitlich von erfahrenen Nutzern erstellt und auf Youtube oder anderen Onlinekanälen veröffentlicht.

 

Vlogger / Vlogging 

Vlogging ist ein aus «Blogging» und «Video» kombiniertes Kunstwort. Analog zu Bloggern veröffentlichen sogenannte Vlogger in einem Weblog periodisch neue Video-Inhalte. 

 

Webinar 

Der Begriff Webinar setzt sich aus den Wörtern «Web» und «Seminar» zusammen und bezeichnet ein Seminar oder eine Präsentation, das beziehungsweise die übers Internet übertragen wird. Die Teilnehmer können ortsunabhängig daran teilnehmen und zeitgleich Fragen stellen. Webinars sind auch als E-Classes bekannt.

 

Web Geek

Seit geraumer Zeit kursiert im Web – selbst in Online-Jobplattformen – der Begriff «Web Geek». «Geeks» werden im englischen Sprachraum umgangssprachlich die Computerfreaks genannt. 

 

Work-Life-Blending

Work-Life-Balance war gestern – Work-Life-Blending ist heute, propagieren einige Job-Plattformen. Der in der HR-Branche beliebte erste Terminus wird seit kurzem vom zweiten verdrängt. Beruf und Privatleben vermischen sich oder verschmelzen ineinander. Mitarbeitende profitieren dabei vom Freiraum, sich die Arbeit selber einzuteilen, auch im Home Office. Im Gegenzug werden von Arbeitnehmenden Eigenverantwortung und Flexibilität erwartet – selbst in den Ferien.

 

 

Dieser Artikel erschien im Magazin «blickwinkel» 02/2017.
Die Ausgabe widmet sich dem Schwerpunktthema Arbeitswelt 4.0.
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