10.11.2017

Illustration aus dem Magazin «blickwinkel» 02/2017

Fit für den digitalen Wandel

Technische Fertigkeiten alleine genügen nicht

Vertraut sein mit Smartphone, Tablet und Computer ist nur eine der Anforderungen in der Arbeitswelt 4.0. Der digitale Wandel bedingt auch neue Abläufe und einen veränderten Führungsstil. Viele Aus- und Weiterbildungen versprechen, fit zu machen für den digitalen Wandel. Wer für sich das passende Angebot finden will, muss sein Ziel kennen.

«In der Arbeitswelt 4.0 braucht es nicht nur Fachwissen im Umgang mit neuen Techniken, sondern auch Empathie, Flexibilität und Kommunikation», betont Petra Rüegg, Inhaberin von QPM Marketing Services in Zürich. Sie stützt sich auf umfangreiche Befragungen von KMU-Führungskräften. Die Aus- und Weiterbildung sollte deshalb in erster Linie die Mitarbeitenden stärken, ihnen Vertrauen geben und das Wir-Gefühl im Unternehmen kräftigen.

Lernen, wie man den digitalen Wandel einführt
Die Mitarbeitenden stärken: Dies verträgt sich nicht mit einem autoritären Führungsstil. Innovation bedingt Freiraum: Das verträgt sich schlecht mit starren Organisationsabläufen. Um die Fähigkeiten zu vermitteln, die für einen digitalen Wandel notwendig sind, werden laufend neue Kurse und Weiterbildungen entwickelt. «Neue, digitale Geschäftsmodelle, Prozesse und Kundenbeziehungen sowie angepasste Führungssysteme sind der Schlüssel zu erfolgreicher Innovation und Transformation», wirbt die ZHAW School of Management and Law für ihren Masterstudiengang «Digitale Transformation».  Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) postuliert, dass es auch psychologisches Wissen braucht, um digitale Strategien erfolgreich einzuführen und umzusetzen. Entsprechend bietet die Hochschule einen CAS «Digitalisierung in der Arbeitswelt – Psychologische Perspektiven» an. 

Ein reichhaltiger Weiterbildungssalat
Das Angebot an Weiterbildungen rund um die Arbeitswelt 4.0 ist nicht überblickbar. Wie hilfreich die einzelnen Angebote sind, wird sich zeigen. Internet-Plattformen wie «weiterbildung.ch» und «ausbildung-weiterbildung.ch» bieten eine Suche nach Stichworten und Berufsfeldern. Gefunden werden kann dort jedoch nur, was Hochschulen, Fachhochschulen und andere Bildungsorganisationen publizieren. Ob es eine akademische Weiterbildung sein muss, hängt von den persönlichen Zielen, den eigenen Ansprüchen und den Anforderungen des Arbeitgebers ab. 

Denn wie man eine Website erstellt, ein Webinar organisiert oder eine Suchoptimierung einrichtet, kann man auch mit Web-Tutorials oder an Gratisseminaren lernen. Vielfältige Inputs sind auch an Konferenzen erhältlich. Zum Beispiel fand Ende August im Rahmen der Marketingmesse SuisseEMEX der 1. Digital Summit für KMU statt. Der Wissenskongress bot 20 Vorträge und 42 Lernwerkstätten zum Thema Digitalisierung an; 557 registrierte Personen nutzten das Angebot. 

Digitale Kompetenz ist zwingende Voraussetzung
Ohne digitale Kompetenz führen jedoch auch neue Führungsstile und Unternehmensmodelle nicht zum Erfolg. Was es im Alltag, beim Lernen und im Beruf braucht, um digital fit zu sein, ist im europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen in fünf Kompetenzfelder zusammengefasst: Umgang mit Informationen und Daten, Kommunikation und Zusammenarbeit, Erzeugen digitaler Inhalte, Sicherheit sowie Problemlösen. Wie schnell die Ausbildung diese Lerninhalte aufnimmt, hängt von der Bildungsstufe ab. 

Kinder und Jugendliche werden den Umgang mit neuen Informationstechniken in der Schule lernen. «Im Lehrplan 21 sind die Grundlagen dafür angelegt», stellt Ursula Renold fest. Sie ist Leiterin des Forschungsbereichs Bildungssysteme der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Es werde jedoch 10 bis 15 Jahre dauern, bis alle Lehrkräfte entsprechend geschult seien und der neue Lehrplan in der Praxis greife. «In der Bildung geht nichts schnell», betont sie. 

In der Berufsbildung ist der Dialog zwischen Organisationen der Arbeitswelt und Verantwortlichen von Berufsschulen und kantonalen Ämtern laut Renold sehr eng. So flössen neue technische Anforderungen rasch in die Ausbildung ein. Die Hochschulen schliesslich sind sehr flexibel: Sie können selbständig neue Studiengänge anbieten und entwickeln. Auf Ebene Berufsbildung, Fachhochschulen und Hochschulen werden vermehrt auch neue Lehr- und Lernformen wie Online-Vorlesungen und mobiles Lernen eingeführt.

Ausgewiesene technische Fertigkeiten bilden die Basis, um den digitalen Wandel zu bewältigen. Eine Weiterbildung, die den persönlichen Zielen entspricht, kann hilfreich sein. Am Ende bleibt aber der Mensch selbst der entscheidende Faktor. Das hat die «Neue Zürcher Zeitung» in einem Beitrag der Serie «Achtsamkeitstraining in der Wirtschaft» im Sommer 2017 auf den Punkt gebracht: Der grösste Hemmschuh auf dem Weg zu einem agilen Unternehmen sei der Statusverlust der Chefs.

 

Digitale Aus- und Weiterbildungsangebote: eine Auswahl an Links

Suchmaschinen

weiterbildung.ch: eine Dienstleistung des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung
ausbildung-weiterbildung.ch: ein Angebot der Internet-Marketing-Firma Modula AG

Online-Angebote

Webinare, Youtube-Tutorials und Gratiskurse zu vielen Einzelthemen

Anbieter

weka.ch: bietet eintägige Praxisseminare an
ruz.ch: ein lokaler Unternehmerclub mit schweizweiter Vernetzung und einer Werkstatt
digicomp.ch: Partner für die betriebliche Weiterbildung
i-cademy.ch: entwickelt Schulungsformate und Inhalte gemeinsam mit dem Kunden 
sko.ch: Schweizer Kader Organisation
k-hf.ch: Portal der Höheren Fachschulen
fachhochschulen.net: Portal der Fachhochschulen
swissuni.ch: universitäre Weiterbildung auf einen Blick

Digitales Lernen

Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen
Proposal for a European Framework for the Digital Competence of Educators (DigCompEdu)
digitallernen.ch: Portal der Fachhochschule Nordwestschweiz für digitales Lehren und Lernen an der Hochschule

 

Dieser Artikel erschien im Magazin «blickwinkel» 02/2017.
Die Ausgabe widmet sich dem Schwerpunktthema Arbeitswelt 4.0.
Hier Ansichtsexemplar bestellen