02.05.2019
FOTOS UND TEXT: Simone Gloor

Marco Sager sitzt auf dem Rand eines Brunnens aus Kalkstein aus dem Jahr 1784.

Brunnenrestauration

Ein zweites Leben für alte Brunnen

Marco Sager handelt mit antiken Brunnen und Skulpturen. Die vergessenen Stücke findet er bei Umbauten in der Schweiz und in den Nachbarländern. Sorgfältig restauriert, zieren sie bald darauf herrschaftliche Gärten.

Unzählige Brunnen aus Natursteinen befinden sich im Garten rund um den Firmensitz Sager Brunnen und Skulpturen AG im appenzellischen Gontenbad. Sie sind alle antik, die meisten stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Firmeninhaber Marco Sager hat das Geschäft 2011 von seinem Vater Robert Sager übernommen. Schon als Kind begleitete der heute 42-jährige Marco seine Eltern an Antiquitätenmärkte. Am Mittagstisch drehte sich bei Familie Sager das Gespräch oft um das Thema Handeln. 

Sager senior stammt aus einer Viehhändlerfamilie. Er hat neben seiner Tätigkeit als Primarschullehrer immer gern gehandelt, bis er sein Hobby zusammen mit seiner Frau Annemarie zum Beruf gemacht und fortan Antiquitäten verkauft hat.

Vergessene Schätze aufspüren
Weil das Geschäft mit antiken Möbeln immer schwieriger wurde, spezialisierte sich die Firma auf alte Brunnen und Skulpturen für den Garten. Marco Sager, der Philosophie und Geschichte studiert hat, eignete sich sein Fachwissen über antike Brunnen und Skulpturen bei der Arbeit damit an. 

Sager bezieht seine Brunnen aus einem grossen Netzwerk. Dazu gehören zum Beispiel Holzhändler, die beim Abbruch eines alten Bauernhauses einen antiken Brunnen entdecken. Oder da ist ein 80-jähriger Fahrender aus der Westschweiz, der viel herumkommt. Auch sein Vater Robert unterstützt ihn mit seiner grossen Erfahrung bei der Suche und spürt die kostbaren Stücke auf. 

Meist kauft Marco Sager nur, was er selber geprüft hat, der Kauf aufgrund von Fotos ist ein zu grosses Risiko. Ganz der Händler, versucht er die Brunnen so günstig wie möglich zu erwerben. Da ist er ehrlich zu den Anbietern. Er betont aber auch, dass er unter seinen Konkurrenten oft am meisten für einen original Schweizer Brunnen bezahlt. Denn nur so bekommt er die wirklich guten Objekte.

Restauration in der eigenen Werkstatt
Sager beschäftigt fünf Mitarbeitende, darunter seine Schwester Nicole Somm. Sie ist zusammen mit Sonja Koller für die Restaurierung der Brunnen zuständig. Das Handwerk haben sie von Spezialisten und Somms und Sagers Mutter, einer ehemaligen Handarbeitslehrerin, gelernt. Für Ergänzungen und Restauration von Fehlstellen arbeitet die Firma mit Steinbildhauern, einem Kunstschmied oder einer Kunstgiesserei aus der Region zusammen. 

Für die Transporte der Brunnen verfügt die Firma über zwei portable Kräne, die ein Gewicht von einer respektive zwei Tonnen heben können. Für grössere Transporte engagiert sie ein Unternehmen mit einer Auswahl an grossen Lastwagenkränen aus dem Nachbardorf. 

Kundschaft im In- und Ausland
Sagers Kunden sind hauptsächlich Privatleute, die grosse Anwesen besitzen. Selten sind darunter Stammkunden, da die Käufer meist nur einen Brunnen für den Garten brauchen können. Marco Sager erreicht seine Kunden vor allem über seine Website, die Gartenmesse Giardina und die Ostschweizer Rosenwoche. Er erhält auch Aufträge von Gartenbauern und Architekten, die für die Gärten ihrer Kunden noch das gewisse Etwas suchen; dies vor allem in der ganzen Schweiz, aber auch im Ausland. Die meisten seiner Brunnen kosten zwischen 5000 und 15 000 Franken. Eine Spezialanfertigung eines Steinbildhauers würde jedoch oft teurer ausfallen.

Der Ausstellungsgarten im Panorama

Panorama: Simone Gloor
Zum Panorama-Viewer
Eisenguss aus Frankreich, 19. Jahrhundert, Giesserei Barbezat, Val D’Osne. Ein Schweizer Kalksteinbrunnen von fünf Metern Länge aus dem Berner Oberland, 19. Jahrhundert; das Kapitell muss noch ergänzt werden. Speier aus Eisenguss, 19. Jahrhundert. Die Sitzecke lädt zu einer Pause ein. Die Brunnen im Ausstellungsgarten sind hauptsächlich aus Schweizer oder französischem Granit-, Kalk- oder Sandstein. Sammlung aus verschiedenen Brunnenstöcken. Bollinger Sandsteinbrunnen aus dem 19. Jahrhundert mit ca. 40-jährigem Aufsatz. Mitarbeiter Albert Koller bei der Montage. Die Brunnen werden in der Werkstatt restauriert. Die Bohrungen für Zu- und Abflüsse werden neu gemacht, Haarrisse aufgespürt und verschlossen. Nicole Somm trägt Mörtel auf einen rund 200-jährigen Brunnen aus Elsässer Sandstein auf. Eine Sammlung von Ausgüssen. Die Jahreszahl ist im Kalkstein eingraviert.
Impressionen aus der Werkstatt und dem Ausstellungsgarten.

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