08.02.2016
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Account anlegen, Profil ausfüllen und los geht es – zahlenmässig ohne Deckel nach oben.

Berufliches Flechtwerk

Umsonst vernetzen

Über 10 000 berufliche Kontakte. Weltweit. Ohne Limit nach oben. Hätten Sie die gerne? Linkedin macht es möglich. Umsonst.

Linkedin und Xing sind im Bereich berufliche Netzwerke im deutschsprachigen Raum erste Wahl. Linkedin weist 7 Millionen Mitglieder gegenüber 9 Millionen von Xing in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Lege ich Wert auf eine internationale Ausrichtung meiner Businesskontakte, ist Linkedin top. Das Netzwerk zählt 400 Millionen Mitglieder weltweit und unterstützt inzwischen deutschsprachige Artikel. Xing liegt bei 15 Millionen.

Als «Newcomer» beginnen. Als «Superstar» ankommen. Die vier Stufen zum perfekten Profil.
Weltoffen? Unter «Konto & Einstellungen» wählen Sie Deutsch, Englisch und 22 weitere Sprachen.

Wozu brauche ich 10 000 berufliche Kontakte?, werden Sie sich fragen. Marc Walder, CEO bei Ringier, hat deren 126. Eine kurze Suche ergibt: Viele Geschäftsleute aus dem mittleren und oberen Management legen wenig Wert auf viele berufliche Kontakte in Linkedin. Schliessen sich Qualität und Quantität aus? Oder komme ich zu interessanten Kontakten erst, wenn ich jeden in mein Netzwerk lasse?

Der Anfang

So frage ich mich, was mir Linkedin bringen wird. Was möchte ich erreichen? Wie nähern sich andere einem beruflichen Netzwerk? 

Informieren, Ziel definieren und handeln. Ich schlafe erst einmal darüber. Und merke: Das bin nicht ich. Ich gehe anders vor.

Ich bin seit Mitte 2012 bei Linkedin, hatte die Plattform bisher aber wenig genutzt. Aus einem Bauchgefühl heraus klickte ich vor sieben Monaten ziellos herum. Die Plattform listet unter der Rubrik «Personen, die Sie vielleicht kennen» Kontakte meiner Kontakte auf. Ich kenne niemanden in der Liste. Ich beschliesse, diese Menschen kennenzulernen. Schliesslich bin ich weltoffen. Und klicke auf «vernetzen». Den Studenten aus Afrika nehme ich ebenso in mein Netzwerk auf wie die Buchautorin aus den USA oder die chinesische Flugbegleiterin aus München.

Linkedin, Kontakte, berufliches Netzwerk, international, vernetzen
Als «Newcomer» beginnen. Als «Superstar» ankommen. Die vier Stufen zum perfekten Profil.

Was bringt’s?

«Ja um Himmels willen. Ich lasse doch nicht jeden in mein Netzwerk.» Die Reaktionen meiner Mitmenschen reichen von entsetzt bis «selbst schuld». Auf jeden Fall sind sie eindeutig. «So ein Profil aufbauen und pflegen kostet doch nur Zeit», höre ich von Freunden und Kollegen. «Was hast du von all diesen Kontakten? Gibt es dir einen Kick, mit all diesen Autoren und Journalisten nur eine Message entfernt verknüpft zu sein?» Oder: «Was bringt es dir finanziell?» 

Als ich vor dreieinhalb Jahren meine Literaturplattform Johntext aufbaute, fragte ich mich nicht, was es mir bringen wird. Vielleicht also sollte diese Frage auch hier nicht erste Priorität erhalten. Mein Gefühl sagt mir: Alles wird gut. Wenn ich mich durch Linkedin klicke, vertraue ich auf meine Inspiration. 

US-Senatoren sind in meinem Netzwerk ebenso vertreten wie Parlamentsabgeordnete, Minister, Händler und Medienvertreter aus aller Welt. Der Buchautor aus den USA bietet mir Übersetzungsrechte an. Die Webseitendesignerin aus Indien fragt nach einem Job. 

Wie nutzen?

Ich teile Artikel, die ich als Journalist schreibe. News der Autoren auf Johntext.de, für die ich kostenlos Webseiten erstelle, verbreite ich per Link über Linkedin. Joygopal Podder etwa, Autor aus New Delhi, schreibt auf newdelhi.johntext.de über sein Leben. Er hat seit 2010 17 Bücher geschrieben und veröffentlicht. 

Über 10 000 Kontakte, das sind über 10 000 E-Mail-Adressen, über die ich Zugang zu Entscheidungsträgern aus Teilen der Wirtschaft und des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens habe.

Wie neue Kontakte knüpfen?

Ermutigt durch viele neue Kontakte, baue ich Anfang August 2015 meinen Account aus. Linkedin bietet eine kostenlose Premium-Mitgliedschaft für einen Monat an. Ich willige ein. Die Vorteile des Premium-Accounts für mich: 15 Mitglieder auf der Plattform darf ich pro Monat kontaktieren, auch wenn wir nicht vernetzt sind. Ich kann in allen Profilen unbegrenzt suchen, und ich erhalte die Info, wer in den letzten 90 Tagen mein Profil angeklickt hat.

Beim kostenlosen Account darf ich nur Kontakte ersten Grades anschreiben. Kontakten zweiten Grades darf ich eine Bitte um Vernetzung schicken. Und es werden die letzten fünf Profilbesucher angezeigt.

Eine Woche vor Ablauf werde ich per E-Mail kontaktiert, ob ich die Premium-Mitgliedschaft weiter nutzen wolle. Ich lehne dankend ab. 59.99 Franken bei monatlicher Zahlweise oder 20 Prozent Rabatt und 575.88 Franken jährlich sind mir zu viel. Ich habe nicht herausgefunden, wie sich eine Premium-Mitgliedschaft bezahlt macht. Unter linkedin.com/settings lässt sie sich jederzeit kündigen, bevor sich die Mitgliedschaft nach Ablauf des Gratismonats automatisch verlängert.

Wie also starte ich? Zirka 300 Kontakte sind der Grundstein meines Netzwerks. Ich tue genau das, was Linkedin vorschlägt. Inmitten aktueller Diskussionen über die Angst und Vorsicht, persönliche Daten herauszugeben, vertraue ich Linkedin. Zirka 200 Kontaktvorschlägen täglich schicke ich die von der Plattform automatisierte E-Mail mit der Bitte um Vernetzung. Zeitaufwand für mich: eine halbe Stunde pro Tag. Durchschnittlich 50 kommen jeweils der Aufforderung nach. Im Profil vermerke ich, dass ich auf Johntext.de eine internationale Plattform für Autoren ausbauen will. 

Menschen, die zielstrebig sind oder etwas im Leben erreicht haben, lieben Menschen mit Zielen. Das ist mein Eindruck. Ende August zähle ich zirka 2800 Kontakte. Linkedin serviert mir Autoren und Verleger aus aller Welt. Ebenso Handwerker, Kassiererinnen und Kellner.

Perry Brass, Journalist der «Huffington Post» und Autor von 19 Büchern, lerne ich auf Linkedin kennen. Er findet Johntext interessant. Ich stelle ihm eine Webseite auf «Johntext New York» bereit. Auch Nixon Issangya aus Tanzania, den ersten Johntext-Autor aus Afrika, kenne ich über Linkedin. Auf «Johntext Tanzania» veröffentlicht er gratis Teile seiner Biografie.

Die Rangliste 

Je mehr Kontakte ich habe, umso mehr Menschen schauen mein Profil an. Die Statistik erfasst jeden Besucher meines Profils. Linkedin führt mein Profil stets unter den ersten zehn in der Rangfolge aller Profilansichten meiner Kontakte. 736 Profilansichten genügten in der Woche vom 25. bis 31. Januar 2016, um unter die ersten fünf Plätze aus über 10 000 Kontakten zu kommen.

Statistik im Standard-Account. Neu: Journalisten surfen interessiert im Kielwasser des Profils.
Statistik im Standard-Account. Neu: Journalisten surfen interessiert im Kielwasser des Profils.

Wobei ein Platz weit oben leicht zu erreichen ist. Bin ich zum Beispiel auf Platz 15 aller Profilansichten, lösche ich einfach einige Kontakte, die vor mir in der Rangliste liegen. Zunächst bemerke ich keine Änderung. Nach zwei bis drei Tagen rücke ich in der Liste der Profilansichten nach oben. Doch Vorsicht: Haben einige dieser Kontakte eine oder mehrere meiner Kenntnisse – zum Beispiel «Management» oder «Leadership» – bewertet, lösche ich mit dem Kontakt auch die Bewertung dieser Kenntnisse. Sind diese Kontakte vielversprechend, schreibe ich mir vor der Löschung deren E-Mail-Adressen auf. Ich kann später jederzeit eine erneute Vernetzungsanfrage stellen. 

Profil

Das Profil teilt sich in Zusammenfassung, Erfahrung, Ausbildung und Kenntnisse – um die wichtigsten Elemente zu nennen. Hier teile ich mit, was ich fachlich zu bieten habe. Auf der rechten Seite zeigt ein Gefäss meinen Profilstatus an. Von «Newcomer» steige ich über vier weitere Stufen zum «Superstar» auf. Zu denken gibt, dass das Gefäss auch im höchsten Status zwei Millimeter Luft nach oben hat.

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Geschafft: dauerhaft unter den ersten 10 Rängen aller Kontakte.

Erklärung dafür findet sich keine. Das öffnet der Spekulation die Tür. Erst im Influencer-Status, den Linkedin auf Einladung vergibt, dürfte die höchste Stufe erreicht sein. Die Influencer, die mir bisher im Netz begegnet sind, haben zwischen 85 000 und mehreren Millionen Kontakte.

In der Zusammenfassung präsentiere ich die wichtigsten Daten meines Profils. So kann Google mich und meine Fähigkeiten prominent in den Suchergebnissen präsentieren. Ende September endet meine Weiterbildung zum Online-Redaktor bei der «Schreibszene». So füge ich meinem Profil dieses Ereignis unter Ausbildung bei.  

Facebook, die Plattform für private Kontakte, setzt die oberste Grenze aller Facebook-Freunde bei 5000 an. Linkedin ist grosszügiger. Es gibt keinen Deckel, der mich ausbremsen könnte. So kommen jede Woche zwischen 700 und 1000 neue Kontakte hinzu.

Kenntnisse bewerten

Die Bewertung meiner Kenntnis «Creative Writing» und vieler anderer begann, als ich Vertrauensvorschuss gab. Wie du mir, so ich dir – im positiven Sinne. 

Linkedin fragte mich per eingeblendetem Fenster über dem Profil von Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf: «Hat Peter diese Fähigkeiten oder Kenntnisse: ‹Diplomacy›, ‹International Relations› und ‹Human Rights›?» Ich bestätigte. 

Ich darf meinen Kontakten Kenntnisse unterstellen. Erst wenn die betreffende Person die Kenntnisse bestätigt, werden sie in ihr Profil aufgenommen.

Kenntnisse bestätigen: Vertrauensvorschuss leicht gemacht.
Kenntnisse bestätigen: Vertrauensvorschuss leicht gemacht.

Der Autor Nixon Issangya aus Tanzania vernetzte sich mit mir. Seine Kenntnisse «Editing», «Published Author», «Publishing», «Books», «Creative Writing» und «Social Networking» unterstütze ich. 

Von zehn Verbindungen, denen ich Kenntnisse bestätige, kommen durchschnittlich zwei auf die Idee, sich gleichfalls mit der Unterstützung meiner Kenntnisse zu bedanken. Inzwischen bin ich gefühlt fachlich überqualifiziert.

Kontakte, die es gut mit mir meinen. Kenntnisse ahoi.
Kontakte, die es gut mit mir meinen. Kenntnisse ahoi.

Die meisten meiner Kenntnisse sind vorhanden. Bei «Marketing» und «Management» sollte ich mich weiterbilden. Die übrigen 45 Kenntnisse vertiefe ich, angespornt durch den Vertrauensvorschuss.

Empfehlungen

Die Königsklasse des Netzwerkens erklimmt, wer Empfehlungen durch Mitarbeitende, Geschäftspartner oder Vorgesetzte im Profil aufweist.

Hindernisparcours. Linkedin erlaubt Empfehlungen von Geschäftspartnern, Kollegen und Vorgesetzten.
Hindernisparcours. Linkedin erlaubt Empfehlungen von Geschäftspartnern, Kollegen und Vorgesetzten.

Die haben die wenigsten. Auch ich nicht. Geht es doch darum, fair und gekonnt die Kenntnisse und Kompetenzen zu bewerten. Vermintes Terrain. Bediene ich mich beim Texten dafür entlang den gängigen und bekannten Formulierungen aus guten bis sehr guten Arbeitszeugnissen? Eine an sich harmlose Formulierung wie «ist gesellig» kann «trinkt gerne» im HR-Jargon bedeuten. Also Vorsicht. Und im Zweifelsfall: Hände weg. Eine gut formulierte Empfehlung soll ihre Kontakte beruflich weiterbringen.

Obergrenze bei Einladungen

Unter «Gesendete Einladungen» sind alle Vernetzungsanfragen aufgelistet. Im Laufe der Monate habe ich herausgefunden, dass Linkedin hier eine natürliche Bremse eingebaut hat. Ist die Zahl der Vernetzungseinladungen höher, als ich im Account Kontakte habe, greift diese Bremse. Sind also 300 Vernetzungseinladungen von mir verschickt worden und habe ich nur 300 Kontakte, stoppt Linkedin weitere Bitten um Vernetzung, ohne dass ich es merke. Es wird zwar nach jedem Klick auf «Vernetzen» angezeigt: «Die Einladung wurde an ... versendet». In der Liste der Vernetzungsanfragen werden diese Einladungen aber nicht aufgeführt. Ich vermute, sie werden nicht hinausgeschickt. Das merke ich daran, dass ich in diesem Stadium kaum neue Kontakte bestätigt bekomme. 

Seit ich regelmässig ältere Vernetzungsanfragen in der Liste «Gesendete Einladungen» lösche, kann ich diese Kontaktbremse umgehen.

Die Handbremse lösen. Linkedin schützt Mitglieder vor aktiven Kontaktanfragen.
Die Handbremse lösen. Linkedin schützt Mitglieder vor aktiven Kontaktanfragen.

Aktuell

Über die Stichwörter «Autor» und «Verlag» in meinem Profil schlägt Linkedin mir Autoren und Verlagsgründer zur Vernetzung vor. Mit dem Stichwort «Journalist» ändert sich das. Nun sind es Redaktoren, Print- und Fernsehjournalisten. Mein zweites, neues Ziel neben der Literaturplattform Johntext ist eine unabhängige internationale Journalistenplattform für Schreibende aus aller Welt. Die Domain habe ich: Johntext.news. Und wieder habe ich dieses Ziel in mein Profil geschrieben.

Meine bisherige Erfahrung sagt mir, dass die meisten Kontakte auf Linkedin ihre Laufbahn auflisten. Sehr selten sehe ich ein Profil, in dem Ziele angegeben sind. Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht.

Auf Linkedin traf ich wunderbare Menschen. Und ich geniesse diese Nähe zu entfernt Wohnenden, die andere Online-Plattformen gleichfalls erschaffen. Ich bin diszipliniert. Jederzeit kann ich den Account schliessen. Kontrolle ist mir wichtig. Ich bin noch im Stadium der Vernetzung. Im nächsten Schritt nutze ich das Netzwerk zur aktiven Stellensuche. Finanziell habe ich bislang weder etwas von Johntext noch von Linkedin. Beides wächst und ich freue mich daran. Geld ist nur ein Mass vieler Dinge.

Kommentare

Gespeichert von Jürg Streuli am

Dieser spannende Bericht gibt sehr interessante Einblicke in eine mir bisher unbekannte Welt.

Gespeichert von Hans-Juergen John am

Danke Dir vielmals. Eine interessante Welt. Weil hinter all diesen Namen und Berufen wundervolle Menschen stecken.

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