18.04.2017
FOTOS UND TEXT: Fabian Jeker

Daniel Felix ist sowohl im öffentlichen Verkehr als auch im Fernsehen zu Hause.

Bahnjournalisten

«Wir müssen digitaler werden»

Der neue Präsident der «BahnJournalisten Schweiz», Daniel Felix, 50, spricht im Interview über die Herausforderungen des Bahnjournalismus und zwei erfüllte Bubenträume.

Daniel Felix, wann haben Sie das letzte Mal einen Beitrag über den öffentlichen Verkehr gelesen, gehört oder gesehen?

Vor ungefähr einer Stunde habe ich einen Artikel über die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) gelesen. Diese testen ab Sommer 2017 gemeinsam mit Partnern einen selbstfahrenden Bus.

Aus Ihrer Sicht als Präsident der «BahnJournalisten Schweiz»: Wird in der Schweiz genug und in ausreichender Qualität über den öffentlichen Verkehr und den Schienengüterverkehr berichtet?

In der Schweiz wird ausreichend über den öffentlichen Verkehr berichtet, jedoch nicht immer in der Qualität, die wir Fachjournalisten uns wünschten. Die grossen Tageszeitungen unterhalten keine Fachredaktionen mehr in Bezug auf Themen des öffentlichen Verkehrs. Journalisten aus dem Tagesgeschäft berichten über diese Themen.

Welche Ziele haben Sie sich als Präsident der «BahnJournalisten Schweiz» für die kommenden Jahre gesetzt?

Die Bahnjournalisten sind heute noch mehrheitlich im Printjournalismus zu Hause. Sie müssen sich die Gesetzmässigkeiten des Onlinejournalismus und der Social Media einverleiben und das Handwerk des Printjournalismus in das digitale Zeitalter überführen. Dies verlangt eine grosse Offenheit und Neugier gegenüber den neuen Medien. Wir müssen digitaler werden.

«Medienmitteilungen werden oft abgeschrieben, abgeändert und mit gravierenden fachlichen Fehlern publiziert.»

Daniel Felix

Bahnjournalisten und Mediensprecher der öV-Unternehmen pflegen enge Kontakte. Wie kann unabhängiger Journalismus sichergestellt werden?

Es ist in der Tat eine Besonderheit der «BahnJournalisten Schweiz», dass sowohl Fachjournalisten wie auch Medienverantwortliche der öV-Unternehmen derselben Vereinigung angehören. Die «BahnJournalisten Schweiz» stellen eine Plattform dar, welche für beide Seiten die Möglichkeit zum Austausch und Netzwerken bietet. Das Ziel beider Seiten ist eine qualitativ hochstehende Berichterstattung.

Die Medienlandschaft befindet sich im Wandel. Wachsende professionalisierte PR-Abteilungen stehen Einsparungen bei den Redaktionen gegenüber. Inwiefern wirkt sich dies auf den Bahnjournalismus aus?

Für die Fachjournalisten wird der Platz zunehmend enger. Es bestehen ständig weniger Möglichkeiten, über Themen im Bereich der Eisenbahn oder allgemein des öffentlichen Verkehrs in hoher Qualität zu berichten. Immer öfter wenden sich Schreibende der tagesaktuellen Berichterstattung diesem Thema zu. Ich bemerke, dass oft Medienmitteilungen der Transportunternehmen abgeschrieben, abgeändert und mit gravierenden fachlichen Fehlern publiziert werden. Das hilft beiden Seiten wenig, den PR-Abteilungen und den Fachjournalisten nicht.

Sie waren selbst Redaktor einer Eisenbahnzeitschrift. Welche Erfahrungen bringen Sie aus dieser Tätigkeit mit?

An die Zeit als Redaktor bei der Zeitschrift «Ysebahn.ch» habe ich schöne Erinnerungen. Ich komme aus dem Fernseh- und Filmbereich und arbeite gerne mit Wort und Sprache. Für mich war es eine wertvolle Erfahrung, zu erleben, dass Printjournalismus und Journalismus für elektronische Medien unterschiedlich funktionieren.

Hier stellt Daniel Felix die Weichen für das Fernsehprogramm von SRF.

Wann hat Sie die Faszination Eisenbahn gepackt?

Das Eisenbahnvirus wurde mir durch meinen Vater, Kurt Felix, in die Wiege gelegt.

Jeder Junge möchte einmal Lokführer werden: Ihr Bubentraum?

Lokführer war ein Bubentraum. Durch meinen Vater war auch das Fernsehen stets ein grosses Thema. Es bereitet mir daher viel Freude, die beiden Bereiche «Bahn» und «Journalismus» in der Aufgabe als Präsident der «BahnJournalisten Schweiz» zusammenzubringen.

Die Faszination Eisenbahn ist geblieben: Vor 14 Jahren haben Sie die Ausbildung zum Lokführer absolviert. Was hat Sie dazu motiviert?

Der Bubentraum des Lokomotivführers, der immer in mir steckte. Es ist faszinierend, diese Technik anzufassen und Züge mit grossem Gewicht und hoher Geschwindigkeit durch die Landschaft zu steuern.

Wann haben Sie zum letzten Mal selbst einen Zug gefahren?

Das war in meiner Ausbildung zum Lokomotivführer. Jedoch habe ich mich dafür entschieden, meiner anderen Leidenschaft den Vorzug zu geben und zum Fernsehen zurückzukehren.

«Die Sendeleitung ist die Betriebsleitzentrale, das Stellwerk des Fernsehens.»

Daniel Felix

Hauptberuflich sind Sie als Sendeleiter bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) tätig. Wie kamen Sie zu den elektronischen Medien?

Durch meinen Vater kannte ich das Fernsehen bereits in meiner Kindheit sehr gut und lernte die verschiedenen Berufe beim Fernsehen sehr früh kennen. Begonnen habe ich als Bildtechniker. Nach einigen Jahren bin ich dann zur Sendeleitung gestossen. Der Bubentraum meines Vaters war lustigerweise Sendeleiter. Jedoch kam er dann zur Sportredaktion und später in den Unterhaltungsbereich.

Was macht ein Sendeleiter bei SRF?

Der Sendeleiter baut aus den einzelnen Sendungen einen ganzen Tagesablauf zusammen. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Sendungen zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge gesendet und dass dazwischen die richtigen Werbeblöcke eingespielt werden.

Ist die Eisenbahn nur ein Hobby, oder gibt es Bezüge zu Ihrem Alltag?

Die Sendeleitung ist die Betriebsleitzentrale, das Stellwerk des Fernsehens. Zudem bin ich selbständig schaffender Produzent von Eisenbahndokumentarfilmen.

Ihre Dokumentarfilme wurden bei SRF und ORF gesendet. «Eisenbahn-Romantik» ist eine erfolgreiche Sendung des süddeutschen SWR Fernsehen. Wären Sie nicht der richtige Mann für eine solche Eisenbahnsendung bei SRF?

Danke für das Kompliment! (Schmunzelt.) SWR Fernsehen hat mit «Eisenbahn-Romantik» eine sehr erfolgreiche Sendung platziert. Bei SRF bin ich nicht für das Programm verantwortlich. Daher kann ich nicht beantworten, ob eine solche Sendung in unserem Programm Platz hätte. Schön wäre es! Ob ich dazu auch der richtige Mann bin, darüber müssten wir noch diskutieren. «Eisenbahn-Romantik» von SWR Fernsehen deckt jedoch bereits einen sehr grossen Teil des deutschsprachigen Sendegebietes ab ...

... und in der Schweiz gibt es bereits das Eisenbahn-TV-Magazin «Volldampf».

«Volldampf» realisiert sehr gute Beiträge, die im privaten Fernsehen ausgestrahlt wurden und im Internet abrufbar sind. Die grösste Herausforderung sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht ist die Produktion eines Films. SWR Fernsehen hat da als öffentlich-rechtliches Fernsehen natürlich ganz andere Möglichkeiten mit «Eisenbahn-Romantik».

Haben Sie neben Eisenbahnen weitere thematische Schwerpunkte als Filmemacher? 

Mir gefällt die Schweiz sehr gut mit ihren Landschaften, Kulturen und Brauchtümern. Dies lasse ich immer wieder gerne in meine Filme einfliessen. Als freischaffender Filmproduzent produziere ich auch Auftragsfilme, wodurch ich mit vielen verschiedenen Themen in Kontakt komme. Für mich als Filmemacher ist es spannend, mich in ein völlig neues Fachgebiet einzuarbeiten. Die Auftraggeber als Fachleute erhalten durch meine Aussensicht als Filmemacher neue Impulse. Ich möchte eine Geschichte erzählen, die von aussenstehenden Personen verstanden wird. Die Fachleute wollen ihr Sachwissen in den Film hineinpacken. In gemeinsamen Diskussionen entsteht eine interessante Geschichte.

Wie haben Sie das Filmemachen entdeckt? 

Mein Vater hat meine ganze Kindheit mit «Super 8» gefilmt und mir schon früh das Filmhandwerk beigebracht. Die Begeisterung ist bis heute geblieben. Vergleicht man Filme meines Vaters und von mir, dann ist darin die gleiche Handschrift zu erkennen.

Welches sind Ihre aktuellen Filmprojekte?

Aktuell verfolge ich zwei Projekte. «Durchs Appenzellerland» handelt von den Appenzeller Bahnen. Der Film ist als Kinoproduktion für 2018 geplant. Dann nehmen die Appenzeller Bahnen die neue Durchmesserlinie in St. Gallen in Betrieb. Das zweite Projekt ist das eintägige Festival «Volksfilmtag» in Weinfelden, das jährlich unter einem neuen Motto steht. Die erste Ausgabe im Jahr 2014 war dem Thema «Eisenbahn» gewidmet.

BahnJournalisten Schweiz – Medienschaffende des öffentlichen Verkehrs

Die Vereinigung «BahnJournalisten Schweiz» wurde Ende Dezember 1995 als Nachfolgerin des «Vereins Schweizerischer Eisenbahnjournalisten (VSEJ)» ins Leben gerufen. Mitglieder sind Journalisten, Publizisten, Autoren, Fotografen, Filmemacher, Mediensprecher, Dozenten und Meinungsbildner. Ihr Ziel ist eine qualitativ hochstehende Berichterstattung über Themen des öffentlichen Verkehrs und des Schienengüterverkehrs. Dazu organisiert die Vereinigung Anlässe und Studienreisen im In- und Ausland. Weiter dient sie als Plattform für den Austausch und die Vernetzung ihrer derzeit rund 180 Mitglieder. Der Sendeleiter SRF, freischaffende Filmproduzent und Bahnkenner Daniel Felix, 50, wurde Ende März 2017 in der Eisenbahnerstadt Olten zum Präsidenten der «BahnJournalisten Schweiz» gewählt.