der arbeitsmarkt | 09.12.2009 | Text: Miriam Bollhalter

Der Beruf, ein Fundament der Laufbahn

mb. Berufsbildung ist ein Einsatz für die Zukunft der Jungen und der Volkswirtschaft. Mit dieser Botschaft warben Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie ein Musiker an der Eröffnung der 5. Zürcher Berufsmesse für das duale Bildungssystem der Schweiz.

Der Beruf, ein Fundament der Laufbahn
Einmal ausprobieren, wie es wäre …
zum Beispiel, Gärtner zu sein.
Foto: Miriam Bollhalter
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5. Zürcher Berufsbildungsmesse

«Eine Investition in Bildung bringt immer noch die besten Zinsen» – mit diesem Zitat von Benjamin Franklin unterstrich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an der Eröffnungsfeier der 5. Zürcher Berufsmesse die Bedeutung einer soliden Berufsbildung. Eine Grundausbildung stelle nicht nur die Basis einer Laufbahn dar. Sie biete jungen Menschen neben der Familie einen wichtigen Halt auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben. Die Anwesenheit der Justizministerin, in deren Departement 67 Lernende ausgebildet werden, verlieh dem Anlass Ende November besonderes Gewicht.

Berufliche Eingliederung bedeutet gesellschaftliche Integration

Nach den Lehrjahren sei der Übergang ins Berufsleben eine weitere grosse Herausforderung, sagte die Magistratin. «Bekommen hier junge Menschen den Eindruck, sie seien unerwünscht, sind die Auswirkungen auf ihr soziales Verhalten verhängnisvoll.» Ohne Arbeit bestehe die Gefahr, dass sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Einige, denen die Eingliederung nicht gelingt, gerieten auf die schiefe Bahn. Der strukturellen Arbeitslosigkeit der Jugendlichen zwischen 17 und 24 Jahren müsse man deshalb mit allen Mitteln entgegenwirken. Für Menschen mit Migrationshintergrund sei eine solide Ausbildung – neben dem notwendigen Spracherwerb – ein wichtiges Element der Integration.

Widmer-Schlumpf, die als dreifache Mutter die Berufswahlproblematik auch als Privatperson kennt, würdigte die Berufsmesse als Impulsgeberin bei der Berufswahl. Diese sei heute nicht einfach, da «viele Faktoren, Möglichkeiten und Risiken in diese wichtige Entscheidung einfliessen» würden. Für ein erfolgreiches Berufsleben zwischen Lehre und Pensionierung seien Flexibilität und Weiterbildung unerlässlich, weshalb sich die Strategien des Bundesamtes für Berufsbildung nicht nur an Schüler, sondern auch an Erwachsene im Erwerbsleben richteten.

Jeder zehnte Lehrvertrag wird vorzeitig aufgelöst

Die Zürcher Regierungspräsidentin Regine Aeppli skizzierte in ihrem Referat die soziale Landschaft, in der die Berufsmesse ihren Zweck zu erfüllen sucht. Der Lehrstellenmarkt habe der Wirtschaftskrise bis jetzt trotzen können, sagte Aeppli und berief sich dabei auf den aktuellen Lehrstellenbericht des Kantons Zürich. Dennoch relativierte sie: «Eine Zunahme der ausbildenden Lehrbetriebe um etwa zwanzig Prozent wäre allerdings wünschenswert.»

Als wahres Problem bezeichnete die Zürcher Bildungsdirektorin die hohe Zahl von Lehrvertragsauflösungen, die der Bericht festhalte. Etwa jeder zehnte Lehrling steige demnach auf eine andere Lehre um, oder es komme zu einem Lehrabbruch. Weiter gehe aus dem Bericht ein eindeutiger Zusammenhang von Jugendarbeitslosigkeit und dem tiefem Ausbildungsniveau hervor. Bildung sei deshalb «das beste Mittel gegen ein Abgleiten in die Arbeitslosigkeit», so Aeppli. Die Schweiz sei auch in Zukunft auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen; das «erfolgreiche helvetische Berufsbildungssystem» bereite die jungen Menschen optimal auf eine Laufbahn vor.

Rapper Bligg leistete Überzeugungsarbeit

Redeten die Politikerinnen vor Zuhörern in Anzug und Krawatte, die vor allem aus den Reihen der drei Sponsoren kamen - der Zürcher Kantonalbank, des Kantons Zürich und der Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie -, war dies auf derselben Bühne nach der Mittagspause anders. Der Zürcher Rapper Marco Bliggensdorfer erzählte einem lebhaften Zahnspangenpublikum, wie er zum Bligg wurde. Die Teenager erfuhren, dass sein Traumberuf zur Schulzeit Grafiker war, dass es mit der Musik erst später angefangen hat und diese erst nach der abgeschlossenen Lehre als Sanitärinstallateur mehr wurde als nur Hobby.

Sein Beispiel demonstriert, dass man im Schweizer Bildungssystem, aufbauend auf der Berufslehre, nicht nur einen ETH-Abschluss erlangen kann, sondern auch eine Showbizz-Karriere drinliegt. «Heute bin ich bekannt, aber der Ruhm ist vergänglich. In zwei Jahren hört vielleicht keiner mehr Bligg», sagte der Hitparadenstürmer und empfahl seinen jugendlichen Zuhörern, zuerst einen Beruf zu erlernen, und zwar einen, der nicht in erster Linie Erfolg verspricht, sondern «lieber etwas, worauf man aufbauen kann». Die Fragen des jungen Publikums beantwortete er in der Sprache der Schüler, wobei er den Weg zur soliden Berufsbildung stets im Auge behielt: «Mach zerscht e Lehr, dänn chasch zu mir cho zum Musig mache.»

Bligg engagiert sich mit seiner Person für die Berufe der Metallindustrie. Als «Botschafter der Schweizer Metallunion» hat er eine Musik-CD mit dem Titel «Für's Läbe» aufgenommen. Ob Jugendliche sich durch deren Texte dazu motivieren lassen, einen Beruf der Metallbranche zu ergreifen? Die mitgebrachten CDs, die Bligg nach seinem Auftritt in der Autogrammstunde verteilte, waren jedenfalls heiss begehrt.

 
 
 

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